Glockenguss durchgeführt

Am Sonntagmittag wurde klar, dass der langersehnte Moment endlich kommen sollte: Der Guss unserer Glocke wurde auf Montag festgelegt, denn das Wetter sollte trocken und stabil werden. Besucher konnten nicht dabei sein (montags geschlossen!), aber leider lässt sich Besucherinteresse und archäologisches Experiment nicht immer vereinen. 

Die Glockenform war mehrere Tage in der Grube trockengebrannt worden. Während in der Glut des Lehmofens bereits die Tiegel standen und die Bronze schmolz, schütteten wir die Grube um die Form herum auf, sodass nur noch der Eingusstrichter und die Abluftkanäle frei lagen. Der Schmelzofen funktionierte fantastisch und brauchte kaum Aufmerksamkeit! Nicht einmal 30kg Holzkohle reichten aus, um 40kg Bronze in wenigen Stunden zu schmelzen.
Als es dann soweit war, musste alles passen: Hannes hob die Tiegel nacheinander aus dem Ofen. Jens säuberte die Schmelze mit einem überdimensionalen Holzspatel von aufschwimmender Holzkohle und Bastian und Ragna gossen abwechselnd die Bronze aus den Tiegeln in die Form – MIT PERFEKTEM TIMING! Sodass der Gußstrahl der flüssigen Bronze beim Absetzen der Tiegel nicht unterbrochen wurde.

Trockenbrennen der Gussform

Trockenbrennen der Gussform.

Dr. Bastian Asmus bei den letzten Vorbereitungen

Dr. Bastian Asmus bei den letzten Vorbereitungen.

Die Tiegel im Feuer

Die Tiegel im Feuer.

Das Ausgraben nach dem Guss.

Das Ausgraben nach dem Guss.

Bastian meiselt den Ton-Kern der Glockenform heraus.

Bastian meiselt den Ton-Kern der Glockenform heraus.

Die fertige Glocke. Bastian zeigt wo die Bronze abgeflossen ist.

Die fertige Glocke. Bastian zeigt wo die Bronze abgeflossen ist.


Es lief perfekt, bis zur letzten Sekunde. Aber da wurde plötzlich klar, dass die Form nicht voll wird! Und beim Ausgraben der Glocke zeigte sich dann warum: Unten an der Form, dort wo auch das Wachs herausgeschmolzen worden war, war aus der Form Bronze herausgelaufen. Das war zwar einerseits ärgerlich, aber aus wissenschaftlicher Sicht war das Experiment dennoch ein voller Erfolg: Denn es ist zu 100% bewiesen, dass die Beschreibung von Theophilus funktioniert! Mehr noch: Der Schmelzofen ist unglaublich effektiv, die Bronze war sehr schnell flüssig. Und die Oberfläche der Glocke ist glatt wie es selbst mit modernen Mitteln kaum besser zu erreichen wäre. Wir waren überglücklich, auch wenn aus Sicht unseres Bauvorhabens natürlich schade ist, dass die Krone der Glocke (die zur Aufhängung dient), nicht vollständig war.

Beim Gießen musste das Timing perfekt passen... was gelang!

Beim Gießen musste das Timing perfekt passen… was gelang!

Aber Bastian hat angekündigt, dass er es nicht darauf beruhen lässt. Es wird nächstes Jahr wahrscheinlich eine Fortsetzung geben, denn er will genauso wie wir, dass eine Glocke in der Holzkirche hängt.

Die Glocke klingt auch ohne Krone wunderbar, am Abend konnten wir sie noch ein paarmal im Schein der Fackeln anschlagen (siehe Beitragsbild: Isabel Krichel-Bonstein). Auf SWR4 war die Glocke bereits ebenfalls zu hören. Sobald der Beitrag in der Mediathek verfügbar ist, werden wir ihn teilen.

Zur Vorgeschichte:
Dr. Bastian Asmus aus Gundelfingen ist Kunstgießer und promovierter Archäometallurge. Vom figürlichen Aquamanile bis zur Kanone hat er zahlreiche ambitionierte Projekte erfolgreich abgeschlossen. Als der Kontakt mit unserem Klosterbauprojekt zustande kam, entstand die Idee für einen archäologischen Versuch: Eine Glocke zu gießen, mit den Methoden die Theophilus Presbyter im 12. Jahrhundert beschreibt. Anhand der überlieferten Glocken lässt sich zeigen, dass die von ihm beschriebene Vorgehensweise bereits eine lange Tradition hatte. Ist es möglich, nach dieser Methode eine Glocke zu fertigen? Wie gut hatte Theophilus den Ablauf dokumentiert? War es eine echte Arbeitsanleitung oder nur seine persönliche Vorstellung davon, wie man es machen KÖNNTE?

Im Juni begannen die Arbeiten an der Glockenform, Bastian hatte sich gut vorbereitet und jeden Arbeitsschritt geplant. Doch alles lässt sich unter unseren Arbeitsbedingungen nicht planen – insbesondere das Wetter, und damit die Trockenzeiten des Tons, aus dem die Form aufgebaut wird. Mehrfach verschoben wir den Guss, Bastian ließ sich nicht entmutigen. Insgesamt 15 Tage Arbeit steckten letztlich in der Glocke, bis sie am Montag Abend zum ersten Mal erklang. Zu diesem Projekt kann man Bastian nur gratulieren, da hätte sich wohl kaum ein anderer Gießer darangewagt! Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit! Es gibt ja durchaus noch weitere interessante Bronze-Objekte aus dem 9.Jahrhundert….

Bei der Schwäbischen Zeitung gibt es eine schöne Bildergalerie zu der Aktion: Galerie Glockenguss

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