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Ein halbes Duzend neue Mitarbeiterinnen sind bei uns auf dem Campus Galli angekommen: Vier Beine, ein dickes weißes Kleid, manche tragen Horn und alle haben kleine, waagerecht abstehende Ohren. Es sind Waldschafe, die seit dem 2. Januar 2022 auf dem Gelände wohnen.

Die sechs wolligen Schönheiten aus dem Landkreis Rottweil lösen unsere bisherige Herde aus drei Skudden und vier Krainer Steinschafen ab. Die Skudden haben ihr neues Zuhause schon bezogen, die Krainer Steinschafe leisten den Neuankömmlingen noch für eine Weile Gesellschaft. Sie sollen den Waldschafen helfen, sich auf dem Gelände zurecht zu finden und ihren neuen Job gut zu machen. Denn noch sind sie etwas scheu und hören nicht auf die Kommandos unserer Tierpfleger Mali und Lars-Ole. Deshalb wird momentan fast jeden Tag geübt. Bis die Besuchersaison am 1. April 2022 wieder startet, gibt es noch eine Menge zu tun für Mali, Lars-Ole und die sechs neuen Waldschafe. Und auch die Hütehündin Freya kennen sie noch nicht lange genug, um ohne Angst mit ihr unterwegs zu sein. Wenn die Neuen dann alle ihre Aufgaben gut erledigen, können sie sich, so wie unsere bisherige Herde, während der Öffnungszeiten frei auf dem Gelände bewegen. Zur Zeit findet man sie allerdings noch die meiste Zeit im Stall und dem anhängenden Freigehege in der Nähe des Marktplatzes.

Das Waldschaf ist eine gefährdete alte Hausschafrasse. Mit den sechs weiblichen Tieren soll auf dem Campus Galli eine eigene Zucht aufgebaut werden. Vier der sechs Mädels bekommen zwischen Februar und Mai diesen Jahres Nachwuchs. Die kleine Herde wird sich also schon bald vergrößern. Ein Bock soll sich dann im kommenden Herbst zu der Herde gesellen. So kann sich die regionale Schafrasse bei uns weiter vermehren.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Waldschafe keine Seltenheit. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste das Mühl- und Waldviertel in Österreich, den Böhmerwald in Tschechien und den Bayerischen Wald in Deutschland. Die genügsamen und anpassungsfähigen Tiere stammen vom sogenannten Zaupelschaf ab. Sie fressen nahezu alles, kommen mit jeder Umgebung und Witterung gut zurecht, sind robust in Körperbau und Gesundheit und können bis zu 12 Jahren alt werden. Sowohl für ihr Fleisch, als auch für ihre Mischwolle wurden sie auf vielen Bauernhöfen geschätzt. Neben den groben Kurzhaaren und den Lang- oder Grannenhaaren, weist ihr Kleid einen hohen Anteil an sehr feinen Wollfasern auf. Und die gibt es in verschiedenen Farben. Während unsere Neuzugänge alle weiß sind, kommt das Waldschaf allgemein auch in Schwarz, Grau, Braun und gescheckt vor. Der Wollertrag pro Schaf beträgt zwischen drei und vier Kilo. Auf dem Campus Galli wird die Wolle unserer Waldschafe weiterverarbeitet werden und vielleicht schon bald Stoffe für die Kleidung der Mitarbeiter liefern.

Im Zuge der industriellen Textilproduktion verschwand das Waldschaf nach und nach von den Höfen. Erst seit den 1980er Jahren führten umfangreiche Zuchtbestrebungen zum Erhalt der alten Rasse. Da das Waldschaf nicht saisonal fruchtbar ist, kann es unabhängig von der Jahreszeit bis zu drei Mal in zwei Jahren lammen – wobei es viele Zwillingsgeburten geben soll. Der Herdenvergrößerung und dem Zuchterfolg auf dem Campus Galli sollte also nichts im Wege stehen.

 

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