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„Tischlein deck dich“ heißt es an unserem Themenwochenende am 24. und 25. Juli auf dem Campus Galli. Denn auch im frühen Mittelalter gab es Ess- und Tischkultur, die wir unseren Gästen an diesen beiden Tagen vermitteln und zeigen wollen.

Dafür haben unsere Handwerker neben ihren Arbeiten auf der Klosterbaustelle in den letzten Wochen zusätzlich einiges vorbereitet, was mit der Zubereitung und dem Verzehr von Speisen, sowie den Gebräuchen rund ums Essen zu tun hat. Schon im frühen Mittelalter gehörten Teller, Schalen, Schüssel und Becher aus Holz oder Ton auf den Tisch.

Drechsler Hans an der Wippbogen-Drehbank.

Für Essgeschirr aus Holz sind auf dem Campus Galli die Drechsler Gerhard und Hans zuständig. Damit aus frischem Holz dünnwandige Gefäße entstehen können, musste die Drehbank in den letzten Wochen überarbeitet werden, und in der Schmiede entstanden spezielle Werkzeuge für das Drechseln von Holhformen. Sie wissen genau, wie aus einem einfachen Stück Holz ein nützliches, wie schönes Gefäß entsteht. Die ideale Holzart zur Herstellung von solchen Gegenständen ist Ahorn. Manche Holzart verändert den Geschmack der Speisen und Getränke und macht sie fast ungebießbar. Ahorn dagegen ist geschmacksneutral und von der richtigen Härte.

Die Dauben und Böden für Daubenbecher hat Jero schon fleißig geschnitzt, damit er am Themenwochenende zeigen kann, wie aus vielen Einzelteilen ein Trinkgefäß entsteht.

Über den Unterschied zwischen Holz- und Tongeschirr weiß Töpfer Martin genau Bescheid. Die von ihm gefertigten Gefäße aus Ton nämlich geben keinen Geschmack ab, sondern nehmen den Geschmack der ersten Speisen und Getränke, die daraus verzehrt oder darin zubereitet werden, an. Für das Themenwochenende hat er sich auf das Kochen im Tontopf vorbereitet. Den Besuchern wird er zeigen, wie ein schmackhafter Brei oder ein nahrhafter Eintopf in seinen Tontöpfen köchelt.

Mit der Frage, „was kam überhaupt auf den Tisch im 9. Jahrhundert?“ haben sich einige unserer Mitarbeiter intensiv beschäftigt. Zimmerer Andreas hat dafür die Benediktsregel, die in vielen Klöstern als Regelwerk für das klösterliche Zusammenleben diente, zum wiederholten Mal genau gelesen. In den insgesamt 73 Kapiteln ist auch die Versorgung der Mönche beschrieben. Aber auch in anderen historischen Dokumenten werden die Sitten der Mönche bei Tisch geschildert. Ein beispielhaft gedeckter Tisch soll zeigen, wie es im Speisesaal des Klosters ausgesehen haben könnte. Man saß nebeneinander, damit von vorne bedient werden konnte, jeder Mönch hatte seinen eigenen Teller, einen Becher, einen Löffel und ein Messer.

Köchin Biggi mit einer Kostprobe des Getreidebreis, den es auch am Themenwochenende geben wird.

Und was war drauf, auf den Tellern? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister und auch historische Quellen lassen Platz für Spielraum. Gab es häufig Fleisch oder nicht? Welche Gemüse- und Obstsorten standen auf dem Tisch? Oder gab es am Ende hauptsächlich einen Brei aus Getreide, weil Getreide meist in größeren Mengen vorhanden war? Einen Brei aus Hafer, Wasser und Milch bereitet unsere Küche für die Besucher des Campus Galli am Themenwochenende vor. Das „Probekochen” hat bereits stattgefunden und den „Vorkostern“ Biggi, Martin, Jennifer und Andreas hat der über dem heißen Feuer bereitete Getreidebrei geschmeckt.

Auch die Schmiede Thilo und Johannes haben bereits vorgearbeitet und eigens für das „Tischlein deck dich” Bratspieße und Ketten gefertigt, an denen große und kleine Kessel ins Feuer gehängt werden können.

 

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