Den Großteil der Tuche, die im Rahmen unseres Projekts zu Arbeitskleidung verarbeitet werden, werden nicht vor Ort gewoben. Zwar ist seit 2016 wieder eine Weberin täglich bei der Arbeit am Gewichtswebstuhl, die Produktivität reicht aber natürlich nicht aus, um 30 Mitarbeiter und viele ehrenamtliche Helfer zu versorgen.

Wir sind deshalb sehr glücklich über die Kooperation mit der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach e.V., einem gemeinnützigen Projekt, in dem behinderte Menschen u.a. auch in einer Weberei arbeiten. Unter Anleitung von Heidi Klähr, einer Webmeisterin mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung, wird hier jeder einzelne Arbeitsschritt vom rohen Wollvlies zum fertigen Tuch vollzogen. Dabei kommen Techniken zur Anwendung, wie sie insbesondere vor der Industrialisierung angewendet wurden.

Der Prozess beginnt mit der Rohwolle, die entweder von uns geliefert, oder von Schäfern der Umgebung gespendet wird. Die Wolle wird zunächst von grobem Schmutz befreit und dann gewaschen. Das Waschen entfernt nicht nur weitere Verunreinigungen, sondern auch einen Teil des Fetts. Dennoch verbleibt genug natürliches Wollfett, um die Wolle geschmeidig zu halten und gegen die Aufnahme von Schmutz und Wasser zu imprägnieren. Die Wolle wird farblich sortiert, um auch bereits ohne Färben eine gewisse Farbgebung erreichen zu können.

Die gewaschene Wolle wird bei Bedarf mit Pflanzenfarben gefärbt und kardiert. Mit einfachen Spinnrädern wird die getrocknete Wolle dann zu Fäden versponnen und auf Knäuel gewickelt.

Diese Wolle kann dann auf den historischen Webstühlen zu Stoffen gewoben werden, deren Bindung sich an den Funden der Karolingerzeit orientiert. Je nach Verwendungszweck werden unterschiedliche Bindungsarten gewählt, abhängig davon, welche Eigenschaften der Stoff besitzen soll. Insbesondere die Elastizität, aber auch die Ästhetik des Stoffes lässt sich darüber steuern. Die Mitarbeiter der Lautenbacher Weberei stellen so Stoffe für Umhänge, Wadenwickel oder eine einfache Capa her. Die Weiterverarbeitung erfolgt dann im Rahmen unseres eigenen Projekts bei Campus Galli. Neben unseren festangestellten Textil-Fachleuten haben auch die Mitarbeiter des Werkstättle e.V. in den letzten Jahren viel Näharbeit geleistet.

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