Die Wolle

By 31/01/2015Allgemein
Unsere Skudden sind eine Schafrasse, die es angeblich schon im 8.Jahrhundert gab.

Unsere Skudden sind eine Schafrasse, die es angeblich schon im 8.Jahrhundert gab.

Im Albvorland gibt es noch relativ viele Schafherden. Von Mitte Mai bis Mitte Juni müssen die Schafe geschoren werden, und da die Bauern oft keine Verwendung für die Wolle haben, schenken sie diese dem Campus Galli. Die Wolle ist „frisch vom Schaf“ und daher noch dreckig, filzig und fettig. Damit daraus ein schönes Endprodukt entstehen kann, sind mehrere Arbeitsschritte nötig.

Als erstes wird die Wolle in lauwarmem Wasser gewaschen und anschließend getrocknet. Durch das Waschen wird ein Teil des Wollfettes entfernt, damit die Wolle beim anschließenden Spinnen nicht zu sehr klebt. Trotzdem hängt noch sehr viel Dreck, wie Tannennadeln oder Strohhalme, in den Fasern, der von Hand entfernt werden muss. Gleichzeitig wird die Wolle gezupft, also Verfilzungen entfernt und die Fasern aufgelockert. Danach kann die Wolle noch mit groben Kämmen gekämmt oder direkt versponnen werden. Durch das Kämmen werden die Fasern geglättet aber es entsteht auch sehr viel Ausschuss. Deshalb wird die Wolle in der Regel ungekämmt versponnen.

Einen Teil unserer Wolle färben wir mit Pflanzenfarben ein. Die Wolle kann vor oder nach dem Spinnen gefärbt werden. Als Farbstoff verwenden wir ausschließlich einheimische Pflanzen, wie Färberkamille oder Zwiebelschalen.
Gesponnen wird mit einer Handspindel, da das Spinnrad im 9. Jahrhundert noch unbekannt war. Danach kann die Wolle noch verzwirnt werden, d. h. es werden mehrere Fäden miteinander verdreht. Durch das Zwirnen wird die Wolle dicker und stabiler. Es ist aber auch möglich, die Wolle verzwirnt zu verarbeiten. Das so entstandene Garn wird entweder am Webstuhl verwoben oder nadelgebunden.
Mit einem selbstgebauten Webstuhl wird ein Teil der Fäden zu Umhängen, Wandbildern oder Wandbehängen gewoben. Der Webstuhl ist ein mittelalterlicher Gewichtswebstuhl, der so heißt, weil die Kettfäden am unteren Ende durch tönerne Gewichte beschwert werden. Dadurch geht die Webrichtung von unten nach oben und es muss im Stehen gearbeitet werden.
Aus einem anderen Teil der Wolle werden in der Technik des Nadelbindens (auch oft mit dem dänischen Wort “Nålebinding” bezeichnet) Mützen und Handschuhe hergestellt. Stricken und Häkeln waren im 9. Jahrhundert noch unbekannt.

Dichte Wollstoffe wie wir sie für die warmen Wolltuniken benötigen, können wir aktuell noch nicht selbst herstellen, sondern kaufen sie zu.

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