Kürzlich konnten wir zum ersten Mal Honig von unseren Bienen ernten. Es war ein herrlicher Anblick, wie die Waben herausgeschnitten wurden und der Honig aus den naturgewachsenen Waben tropfte. Die Honigernte wurde von Herrn Frech durchgeführt. Herr Frech ist Vorsitzender der Messkircher Imkervereinigung, er hat die Völker ausgewählt und betreut die Bienen über das Jahr. Weitere Meßkircher Imker unterstützen uns immer wieder vor Ort, indem Sie den Besuchern bereitwillig Auskunft geben, allen voran Roland Häusler, der das Bienenwachs auch zu Kerzen und Wachstafeln weiterverarbeitet und viel Interessantes über die Geschichte der Imkerei zu berichten weiß.

Herr Frech fegt die Bienen vorsichtig von den Waben herunter.

Herr Frech fegt die Bienen vorsichtig von den Waben herunter.

Im 9.Jahrhundert war der Beruf des Imkers oder Zeidlers bei uns noch nicht vorhanden. Wurden Bienen von einem Bienenjäger in einem hohlen Baum im Wald entdeckt, wurden die Waben entweder entnommen, oder man stellte einen bewaffneten Bienenhüter ab der dafür Sorge tragen sollte, dass niemand Fremdes den Honig plünderte. Auch wurden entsprechende Baumabschnitte z.T. herausgesägt und abtransportiert, wo sie als “Klotzbeute” dann gepflegt wurden. Zuweilen höhlte man auch Baumabschnitte aus und versuchte ein Bienenvolk darin anzusiedeln. Diese “Klotzbeute” haben eine lange Tradition und waren weit verbreitet, archäologische Funde gibt es schon aus dem jungsteinzeitlichen Arbon am Bodensee. In anderen Regionen der Welt (Ägypten, Naher Osten, Griechenland) hatte man das Verhalten der Bienen schon viel früher verstanden und hielt Bienen schon in spezialisierten “Imkereien” und “Bienenhäusern”.

 

Die Wachstafeln werden aus Holz, Kohlenstaub und Wachs hergestellt. Mit dem Stemmeisen wird die Vertiefung geschaffen.

Die Wachstafeln werden aus Holz, Kohlenstaub und Wachs hergestellt. Mit dem Stemmeisen wird die Vertiefung geschaffen.

Auch die Römer waren in der Imkerei schon weit fortgeschritten, bekannt sind aus dem Nordalpenraum u.a. große Spezialgefäße für Honig, wie sie z.B. im schweizerischen Kaiseraugst (Augusta Raurica) gefunden wurden. Aus dem Frühmittelalter unserer Region gibt es ebenfalls indirekte archäologische Nachweise der Bienennutzung: Aus dem Gräberfeld von Seiten-Oberflacht (6./7.Jh) sind mehrere Kerzen bekannt sowie gedrechselte Kerzenständer. Mit dem Ausbau der Klöster insbesondere im 8. und 9. Jahrhundert, stieg der Wachsbedarf für Kerzen und Täfelchen stark an, was zu einer vermehrten Beschäftigung mit der Honigbiene und letztlich zum Entstehen der Imkerei im heutigen Sinne führte.

Die Bienen auf unserem Gelände sind sehr sanftmütige Carnica-Bienen. Diese Unterart gab es im 9.Jahrhundert bei uns noch nicht, die in Mitteleuropa heimische “Dunkle Biene” (Apis mellifera mellifera) ist inzwischen leider im Bestand gefährdet, sie ist aber aggressiver als die Carnica-Biene. Letztere wurde ausgewählt, um unsere Besucher nicht in Gefahr zu bringen. Dennoch gilt es, vorsichtig zu sein! Insbesondere sollte man sich nicht in die “Einflugschneise” stellen, denn hier sticht auch die gutmütigste Biene!

Roland stellt Kerzen und Wachstafeln her. Er unterstützt uns ehrenamtlich, zumeist am Wochenende.

Roland stellt Kerzen und Wachstafeln her. Er unterstützt uns ehrenamtlich, zumeist am Wochenende.

Der Honig in der Wabe ist an der Bruchstelle gut zu sehen, eine Biene will noch etwas naschen.

Der Honig in der Wabe ist an der Bruchstelle gut zu sehen, eine Biene will noch etwas naschen.


2 Comments

  • Gerd Manz sagt:

    hallo

    wo kann ich ein Paar Gläser von diesem Honig kaufen??

    was kostet das Glas??

    0176/80062771

    • Hannes Napierala sagt:

      Hallo, den Honig aus unseren Klotzbeuten dürfen wir nicht verkaufen, da wäre die Lebensmittelüberwachung sicher nicht begeistert (auch wenn Honig ja eigentlich ein unproblematisches Lebensmittel ist). Aber danke für Ihr Interesse!

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